Anschauen, statt wegrennen

Was hättest du im Leben gern viel früher angefangen?

Ich hätte gern schon viel früher meiner Wahrnehmung wirklich vertraut. Um die entsprechenden Konsequenzen tatsächlich zu ziehen. Mich nicht immer wieder einlullen lassen – und viel früher angefangen, klar und deutlich zu mir zu stehen, auch mit meinen Fehlern und Schwächen.

Ich hätte gern früher selbstbestimmt, gesund und stabil für mich gelebt und nicht aus alten Mustern heraus, die leider auch teils sehr unbewusst in mir schlummerten. Und dementsprechend hätte ich gern schon eher mein ganz eigenes Meinungs- und Wertesystem aufgebaut, anstatt es mir „abzuschauen“.

Dadurch, dass ich mich viele Jahrzehnte in einem Kampf- und Fluchtmodus befand, ohne es zu wissen, kamen gewisse Erkenntnisse erst viel später. Manche Erinnerungen tauchten bei mir erst vor wenigen Jahren auf, weil sich durch Traumata im Kindesalter etwas abgespalten hat. Und ein gewisser Kreislauf dessen, wiederholt sich nach wie vor. Das Päckchen wächst weiter und will abgearbeitet werden.

Ich hätte mir früher schon, als ich einen Teil davon verstanden und verinnerlicht habe, weiter auf kompetente Hilfe beharren sollen, anstatt mich mit einem Therapeuten, der nicht gut für mich war oder auch einem gewissen Umfeld, das toxisch war, zufrieden zu stellen.

Ich hätte gern früher aus meinen Fehlern gelernt, anstatt aufzugeben und mich weiter diesem Kreislauf zu widmen. Nicht weiter vor dem Schmerz wegrennen, mir selbst wirklich helfen, auch wenn ich immer wieder erkannt, in kleinen Schritten verändert und gekämpft habe.

Andererseits bin ich auch dankbar für viele Erfahrungen, die ich sehr wahrscheinlich nicht gesammelt hätte, wäre ich schon viel früher dem vermeintlich „richtigen“ Weg gefolgt.

Auch wenn ich viel früher etwas begonnen hätte, weiß ich nie, was im Außen vor mir liegen wird. Ich kann lediglich nun versuchen, aus dem Früher, einen großen Teil meines Jetzt zu formen, zu integrieren, und lernen, besser damit umzugehen – und weiter so stabil wie möglich mit allen verfügbaren Ressourcen und Techniken gewappnet zu sein. Alles was in den ungefähr letzten 12 Monaten passiert ist, hat mir noch einmal deutlich gemacht, dass es an der Zeit ist, auf dem erkannten Früher aufzubauen, gewisse Brücken einzureißen und zuversichtlich der unbekannten Zukunft engegenzutreten.

Veröffentlicht von Stella Noctua

https://www.stellanoctua.org

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